Schatten Sammeln

Ausstellung im Kiosk24

„Schatten Sammeln“ setzt die diesjährige Ausstellungsreihe zum Thema Klimawandel im Kiosk24 fort.

Im Kapitel „Kurze Geschichten der Schatten“ beschreibt die indische Autorin Sumana Roy in ihrem Buch „Wie ich ein Baum wurde“, wie sie als Kind, statt Mangos mit der Familie zu sammeln, versucht die Schatten der Bäume aufzulesen.  Ein poetisches Bild, das die Künstlerin zur Ausstellung „Schatten Sammeln“ inspiriert.

 

Der Boden des Ausstellungsraums wird mit dunklem Kork ausgelegt, auf dem unregelmäßig verteilt vier Steinskulpturen stehen. Die Oberflächen von Kalkstein und Kork erscheinen sehr matt, weisen keine Spiegelungen auf, schlucken das Licht. Der grobstrukturierte sehr dunkle Kork und der nur mit Spitzeisen behauene Stein bilden zusammen einen starken farblichen Kontrast und erschaffen eine besondere Atmosphäre.  Die Wandarbeiten steigern diesen Eindruck durch kontrareiche Farbgebung. Die wandfüllende Malerei mit Magenta korrespondiert in Form und Gestalt mit den Straßenbäumen, die unmittelbar am Kiosk24 stehen. Die Skulpturen aus Baumberger Sandstein stellen Säulen dar, die zur Basis hin unregelmäßig auslaufen und so der Form des Werksteins folgen.

 

Trotz klarer Formgebung bleiben sie vage in der Interpretation und somit offen für vielfältige Assoziationen. Der kleinste Stein ist ein Fundstück. Susanne Albrecht hat diesen Stein bereits zuvor in den Ausstellungen Stein Sein I und III gezeigt in Verbindung mit einer Videoarbeit, die den Stein im Zeitraffer eines Tages zeigt und mit dem Herzschlagtönen der Künstlerin unterlegt.

 

Die Tuschezeichnungen sind im Sommer 2021 entstanden.

Sie halten die Schatten eines Baumes auf dem Boden fest.

Die künstlerischen Techniken sind bewusst sehr einfach gehalten. Das skulptierende Arbeiten geschieht nur mit dem Spitzeisen ohne Zuhilfenahme von Maschinen. Susanne Albrecht bedient sich hier einer traditionellen Annäherung an die Form, die langsam von außen nach innen die Skulptur im Stein entstehen lässt. Einen starken Kontrast dazu bildet die Wand und Tuschezeichnungen, die spontan und flüchtig erscheinen. In der Tat verändert sich der Schatten bereits beim Versuch des Festhaltens mit Hilfe von Tusche und Pinsel auf Papier. Das Bild erweist sich schon im Entstehen als Verfälschung der Wirklichkeit als “Augenblick der Diskontinuität”.

 

Die Installation fasst mit der Kombination von Material, Form, Farbe und Arbeitstechnik größtmögliche Kontraste zusammen in einem Raum. Sie geht sichtbare Bezüge mit dem Umraum ein und handelt vom  Verlust des Schattens, der mit dem Verlust der Bäume korreliert. Die Künstlerin geht vom positiven und genussvollen Nutzen des Schattens aus. Schatten begreift sie als einen Raum und Ort zur Regeneration. Die angenehme Kühle und das Ausruhen für die Augen hat sie dabei im Blick.  Der „Herzstein“ steht hier für die tiefe Verbundenheit zum Thema. Die Idee von grünen Bändern in den Städten oder auch die Idee sogenannte Schwammstädte zu kreieren hält sie für notwendig, damit das Leben in der Stadt zukünftig attraktiv und erträglich bleiben kann bei weiter zu befürchtenden Temperaturanstiegen

 

Mit Schatten Sammeln ist es Susanne Albrecht gelungen ihre langjährige Arbeit am Projekt „Stein Sein“ dem Thema Klimawandel einzuschreiben. Somit vollzieht sich ein Wandel von der Materialbefragung und Fragen nach der Form zu einem expliziten und konkreten politischen Anliegen. Wie schon bei ihrer Arbeit Ton, Stein und Erden im Sommer 2021 leitet und trägt eine übergeordnete Fragestellung das künstlerische Tun und ermöglicht eine stetige künstlerische Weiterarbeit.